Die Rodersdorfer Wunderfichte

 

Dieser Rodersdorfer "Sagenbaum" stand ehemals im Grunde des Burgbachtales auf Rodersdorfer Flur. Das Besondere an diesem Baum war, dass er das Aussehen einer Harfe hatte. Seine auf einer Seite wachsenden Äste standen senkrecht in die Höhe, wohin gegen die Zweige mit den Nadeln nach unten gerichtet waren und dadurch der Eindruck entstand, als ob die Spitze ins Erdreich und die Wurzel in Richtung Himmel gewachsen sei.



Um die Herkunft der Wunderfichte ranken sich vielerlei Vermutungen, die in den verschiedensten Sagen ihren Niederschlag gefunden haben:

So wird zum einen berichtet, dass zwei Burschen durch dieses Tal wanderten und sich stritten, ob Christus wirklich auferstanden sei, und heute noch Wunder geschehen. Der Überzeugte wollte dem anderen beweisen, indem er ein Fichtenbäumchen aus den Boden riss, und verkehrt rum wieder einpflanzte und sagte „So wahr dieser Baum, den ich umgekehrt ins Erdreich gesenkt habe, weiter grünen und wachsen wird, so wahr kann Gott auch heute noch Wunder tun“ Der Baum wuchs und bekam seine seltsame Form.

 

Zum anderen wird erzählt, dass einst ein Schäfer, der beschuldigt war, einen Mord begangen zu haben und zum Tode verurteilt worden war, als Beweis seiner Unschuld kurz vor der Hinrichtungsstätte seinen alten Hirtenstab in den Boden stieß und dabei die Worte rief: "Ich bin unschuldig, so wahr dieser dürre Stab wieder grünen wird !" . Daraufhin schlug der Hirtenstab, da der Schäfer unschuldig war, aus und grünte fortan als Wunderbaum.

 

Eine dritte Version besagt, dass ein Bauer diesen Baum pflanzte, um seine Unschuld des plötzlichen Todes seiner jungen Frau zu beweisen.

Gleichviel man diesen Erzählungen Glauben schenken mag, die Rodersdorfer Wunderfichte war in der damaligen Zeit wegen ihrer geradezu mysteriösen Einzigartigkeit ein beliebtes Ausflugsziel vieler Wanderer und Naturfreunde und stand damals schon unter Naturschutz. Insoweit brachte es Otto Schulze 1929 treffend auf den Punkt, indem er schrieb:

„Wer will es wissen, ob ein Körnlein Wahrheit

der Volkserzählung hier zu Grunde liegt ?

Wir wollen freu'n uns, dass die Wunderfichte

bei uns im Vogtland ihre Zweige wiegt.“

 

Auch der Schriftsteller Kurt Arnold Findeisen (1883-1963) besingt in seinem Vogtlandlied:

 „Ein Kleid trägt mit schneeweißem Saum

gewebt aus Winterkühle

bei Rodersdorf der Wunderbaum“



Am 7. Mai 1933 fiel die Wunderfichte einen Gewittersturm zum Opfer.

Außerdem wäre noch zu erwähnen, dass sie Namensgeberin der damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) ab 1960 war. Heute steht an diesem Platz eine junge Linde, nachdem der direkte Nachfolger, die vorherige Buche, einging und dann noch vom Wind zerstört wurde.